Summer Breeze 2006
Veröffentlicht 20. August 2006 in Erlebnisberichte Summer Breeze 2006 in Dinkelsbühl - ich hab’s überlebt. Einfach nur geil. Ich könnte wahrscheinlich Stunden darüber erzählen, aber ich versuch’s hier einigermaßen kurz zu machen.
Am Mittwoch sind wir (= Eva, Jochen, Sebbi, Stefan und ich) mit zwei Autos, Riesenzelt und Durchlaufkühler (DLK) angereist und haben uns dort mit ein paar Bekannten aus München und Offenburg getroffen. Überraschenderweise schlugen noch ein paar andere Bekannte ihr Zelt auch fast neben uns auf, eine Tatsache die noch große Folgen haben sollte :)
Mittwoch - Der Beginn:
Nach staufreier Autofahrt und erfolgreicher Suche nach einem geeigneten Campingplatz hatten wir bald die Zelte und noch wichtiger den DLK aufgebaut und besagte Münchner und Offenburger mal etwas kennengelernt. Der erste Abend verlief relativ ruhig, die Atmosphäre, die 20.000 Wikinger und Metaller um dich herum erzeugen, ist aber einfach überwältigend. Lediglich die DIXI-Klos waren da bereits schon konterminiert bis zum geht nicht mehr - um so seltsamer, dass ein paar ihr Zelt direkt daneben aufstellten… Erwähnen sollte ich allerdings noch diese tollen Camping-Klappstühle aus dem OBI. Von unseren fünf Stühlen überlebten dank eines unabsichtlichen, aber schön choreographierten Zerstörungsvorgangs von Sebbi bereits zwei den ersten Abend nicht mehr mit allen Beinen. Sebbis Stuhl war sogar leider ein Totalschaden. Die meisten restlichen Stühle ereilte in den Tagen ein ähnliches Schicksal. Auch meinen Stuhl musste ich nach diversen Reparatur- und Umbaumaßnahmen am Freitagabend aufgeben.
Donnerstag - Hallo Sonne:
Perfekter Sonnenschein weckte uns diesen Morgen, sodass nach dem Frühstück erstmal Sonnenbaden anstand. Apropro Frühstück: Das heutige war auf jeden Fall das letzte Morgenmahl, dass man noch so bezeichnen konnte. Die folgenden Tage verringerte sich die Menge immer weiter, bis hin zu ein paar Schluck Wasser am Sonntagmorgen. Heute begannen auch die ersten Konzerte, allerdings wurde der Termin durch kurzfristige Absagen etwas durcheinander geworfen, so gab’s statt “Regicide” nur unterirdisch schlechte Grunzsänger mit dem aussagekräftigen Namen “Tourettes Syndrome”. Die Trinkqualitäten der anderen Jungs waren übrigens auch sehr differenziert: Simon zum Beispiel schlief nach zwei Bier einfach ein und konnte selbst durch das Eddingkritzeln auf seinem Gesicht nicht mehr aufgeweckt werden. Maff hingegen zog einen Becher nach dem anderen runter - 2-Liter-Messbecher wohl gemerkt. Kaiser überzeugte eher durch sein Äußeres: Seit zwei Jahren hat keine Schere und kein Rasierer seine Kopfbehaarung (und ich denk den Rest auch) berührt, was zur Folge hat, dass er einfach wie ein Yeti aussieht.
Freitag - Chillout mit Bier:
Der erste musikalische Höhepunkt dieses Tages war sicher der Auftritt der “Excrementory Grindfuckers”, einer Band, die ihren eigenen Musikstil nicht ernst nimmt: “Ihr wisst gar nicht, wie beschränkt ihr seid, denn ihr hört Grind”. Zurück am Zeltplatz erweiterten wir unseren Pavillon erst einmal mittels einer etwas abenteuerlichen Konstruktion aus Fackeln und Expandergummis um eine weitere Sonnenschutzplane. Es folgte der wahrscheinlich gechillteste Nachmittag des Festivals. Leider fiel noch unser Stromaggregat aus, aber unsere Nachbarn gaben uns eine Steckdose ab, sodass unsere Bierversorgung sichergestellt war. Allgemein war das ein sehr bastelfreudiger Tag, denn neben einem Bierbong entstand auch ein Didgeridoo aus Plastikflaschen, sehr zur Freude von Dale, dem australischen Austauschschüler, der ohne seinen Gastgeber hier war, da dieser metrosexuell ist und lebendig kein Rockfestival betreten würde. Allerdings konnte er keinen Ton darauf spielen. Am Abend schloss dann Max noch engere Bekanntschaft mit dem Bierbong, sodass, als ich mit Kaiser von einer Festplatztour zurückkam, er mehr Alkohol als Blut in seinen Adern hatte. Eine Shisha später lagen wir anderen dann aber auch ins Bett, halb sechs war auch schon früh genug.
Samstag - Der Tag des Rehs:
Der erste Lacher an diesem Morgen war auf jeden Fall Max, als er aus seinem Koma erwachte. “Willst du ein Bier ?” - “Ich weiß nicht wieviel Uhr es ist, ich weiß nicht welcher Tag es ist, ich weiß nicht wo ich bin…also lass das Bier weg.” Sein Zeltmitbewohner, Noel, von allen nur liebevoll “Nöl” gerufen, amüsierte sich so sehr darüber, dass er kurze Zeit später auch zum Bierbong griff und noch vor 14:00 richtig fertig war. Er sagte später, es wäre der heftigste Rausch seines Lebens gewesen. Auf jeden Fall fiel er beim urinieren einfach um, verteilte beim Zigarettendrehen den Tabak auf seinem kompletten Oberkörper, ohne das Pape zu treffen und pennte schließlich mitten auf dem Zeltplatz. Man wusste echt nicht mehr, worüber man nun lachen sollte, über Nöl oder über den Pavillon, der nebenan gerade von einem Wikinger “zusammengepackt” wurde. Nach dem “Corvus Corax”-Konzert kam es dann zu dem absolut größten Ereignis des Festivals: Bambi.
Besagte Zeltnachbarn aus Offenburg und Umgebung bastelten aus leeren Bierdosen ein Reh mit zwei Tragestangen. Als wir es erblickten, rannten wir sofort rüber und fielen spaßes- und alkoholeshalber auf die Knie und huldigten ihm, worauf sie uns den Hintergrund erzählten: In einer Bildzeitung fanden sie einen Bericht betitelt mit “Reh rammt Radfahrer”: Ein Reh rammte einen Radfahrer und floh wieder, der Mann musste mit Kopfschmerzen ins Krankenhaus, Bild-Nachrichten halt. Begeistert von diesem Schwachsinn beschlossen wir loszuziehen und die Nachricht auf dem Platz zu verbreiten. Wir waren zu zehnt. Einige “Lesungen” des Textes und eine Runde auf dem Platz später hatten wir immerhin noch etwa 20 Leute hinzugewonnen, trotz dem Regenschauer, der plötzlich losbrach. Dann folgte der heroische Auftritt unseres Priesters Chris. Er bestieg an einer Wegkreuzung einen Wasserbehälter und hielt eine Lesung. Von allen vier Seiten strömten plötzlich Leute her und schließlich knieten alle vor Bambi in den Matsch. Fast biblisch. Angeheizt durch andauernde Bambi-Sprechchöre marschierte die Truppe von nun mindestens 200 Mann nun Richtung Sicherheitsschleuse zum Bühnenbereich. Die Sicherheitsleute konnten nichts tun, sie mussten alle durchlassen. Der Trek ging eine Runde über das Gelände und endete schließlich vor dem Metal Hammer-Bus. Die Leute dort hatten Sinn für Humor, sie ließen uns tatsächlich Bambi auf ihren zweistöckigen Bus stellen und gaben uns ein Mikro für eine weitere Lesung. Mindestens 500 Leute mussten es zu diesem Zeitpunkt gewesen sein. Danach gab es nur noch eine Steigerung: Die Menge strömte Richtung Main Stage, wo kurz später das Gamma Ray-Konzert beginnen sollte. “Bambi auf die Main Stage” war der allgemeine Ruf, doch leider blockten die trotzdem sichtlich erheiterten Securityleute ab. So verlief sich die Menge leider im Gamma Ray-Konzert, auch wenn die Musiker sichtlich irritiert waren. Ein Bambi-Kern blieb jedoch immer noch bestehen und feierte die Bambi-Skulptur, die immerhin auf eine Box direkt vor die Bühne gestellt werden durfte. War vielleicht auch besser so, denn so konnten wir Bambi, das wie durch ein Wunder bisher unbeschädigt war, noch ganz zurück an den Zeltplatz bringen. Es war echt unglaublich, sowas geht nur auf einem Festival. Wär echt cool, wenn wir damit nen neuen Kult begründet hätten…wir werden sehen.
Sonntag - Mein Gott, wo kommt der Müll her:
Sonntagmorgen. Abbauen. Alle sind dreckig und übermüdet, aber trotzdem gut drauf. Wir sammeln unseren Müll in der Mitte, inzwischen eine extreme Menge, weil seit Donnerstag niemand mehr aufgeräumt hat. Pinsch, wahrscheinlich Münchens nettester Cowboy, steuerte sogar sein Zelt, das er liebevoll “mobile Proktopraxis” nennt, bei, da es zwei Tage vorher von einem Besoffenen halb kaputt gestolpert wurde. Einige Zeit spielten wir noch mit dem Gedanken, den ganzen Haufen aus Klappstühlen, Müll und anderen undefinierbareren Sachen einfach anzuzünden. Das Lampenöl hatten wir schon drauf gegossen, da sahen wir wie ein paar Wikinger ein Sofa anzündeten und dafür von der Security mächtigst Ärger bekamen. Ok, Kommando zurück. Dann brachen wir halt so auf. Auf nach Hause, ab in die Dusche. Denn dreckig war hier alles und jeder.
Macht aber nichts, denn Dreck ist auf jeden Fall Heavy Metal.
http://www.bambi-statt-helga.de.vu
Beweis-Foto (während Gamma Ray)
Kommentare
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- Gebäudereinigung Hamburg: Toller Blog. Weiter so!
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