Quo vadis, Lautenbach ? (2)

Das war sie also, die vielgepriesene große Bügerversammlung.
Nach einigen Querelen im Vorfeld fand sie jetzt statt - ohne OB Braun. Es war wirklich amüsant.

Den Auftakt machte die Charly-Show, ein kurzer, einstündiger Monolog unseres Bürgermeisters Karl Bühler, in dem er sich keine Gelegenheit entgehen ließ, die ganzen gewaltigen Errungenschaften der letzten Jahre, wie etwa den Neuanstrich die umfassende Außenfassadenerneuerung der Neuensteinhalle oder die zu einem guten Teil durch Spenden finanzierte Neuausstattung einiger Schulräume, zu lobpreisen. Als Zugabe gab’s dann noch eine nette Äpfel-mit-Birnen-Vergleichsrechnung und ein paar frisierte Statistiken. Charly, unser Held.

Punkt zwei war dann die Ansprache des Gemeinderats, die Karin Mieth in bester und äußerst blumiger Wort-zum-Sonntag-Manier abhielt und dabei natürlich auch kräftig für die Eigenständigkeit Werbung machte. Wenn die nämlich erhalten würde (Achtung, jetzt folgen einige O-Ton-Ausdrücke), könne sich ja u. A. endlich ihre Vision erfüllen, von einem gemeinsamen Treffpunkt für Jung und Alt, eine Art Familienzentrum, ein Haus, wo die Älteren einen Platz haben sich zu treffen und und ihre Erfahrungen an die Kleinen weitergeben können, denn für die gibt es ja nichts Schöneres, als Geschichten vorgelesen zu bekommen. Friede sei mit euch.

Als nächstes folgte der einzige inhaltlich wirklich sachliche Vortrag der Bürgerinitiative “Zukunft Lautenbach”, gehalten von Franz Ziegler. Leider wurde dieser völlig ohne Folienunterstützung und mit einer, ich umschreibe es mal mit “problematischen”, Rhetorik durchgeführt. Nicht…nur…die…wahnwitzige…Geschwindigkeit…von…fast…ein…em…Wort…pro…Sek…unde sondern auch die etwas unglücklich verdrehten Redewendungen wie “da stehen mir die Haare hoch” oder “hieb- und stichhaltige Argumente” sorgten hier für einiges Schmunzeln und Kopfschütteln. “Und Piggeldy ging mit Frederik nach Hause…”

Den Schlusspunkt setzte dann die sehr erfrischende Büttenrede des Lothar Wölfl von der IG “Wir sind Lautenbach”. In quietschgelbem Jacket auftretend sorgte er mit seiner absichtlich dilletantischen Art für einige Lacher: Nicht nur, dass er sich in seinem Wortlaut genau an die Folien hielt (auf denen sogar rhetorische Floskeln und Füllsätze vermerkt waren), nein, durch die Andeutung von Verschwörungstheorien (der böse Willi Stächele ?!), kuriosen Einwürfen und Vergleichen (ein Bild einer schlecht ausgebauten indischen Straße war mit “Lautenbach 2014″ betitelt) und die leicht emotionale und unsachliche Herangehensweise brachte er des Öfteren den ganzen Saal zu lautem Lachen oder wenigstens zu ungläubig-verwirrten Blicken und einige wenige sogar zum Gehen. Ähm…achso, das war ernst gemeint.

Dann endlich die Fragerunde. Hier wurden sogar einige wirklich brisante und bislang ungeklärte Fragen beantwortet, jedoch, wie zu erwarten war, drifteten die Leute auch hier oft in nicht ganz sachdienliche aber unglaublich lustige Teildiskussionen ab. Es natürlich hagelte noch heftig Kritik wegen der Sache mit Bürgermeister Braun. Und auch nicht immer konnten klare Antworten gegeben werden: Auf die Frage etwa, warum die Gemeindeverwaltung denn, obwohl sie es nicht hätte müssen, die Vergabe der Neuensteinhalle an die Bürgerintiative für den 4. Juli blockiert habe, antwortete Bürgermeister Bühler nur recht wortkarg: “Wir haben das nicht blockiert. Es wurde so beschlossen.”
Gerade durch solche Antworten beflügelt, entstand am Ende eine von einigen Anheizern ausgelöste Stimmung gegen die Gemeindeverwaltung, die u. A. darin endete, dass der ehrenamtliche Webmaster der Gemeinde-Homepage seinen Job schmiss. Aus der Eingemeindungsfrage wurde so zum Schluss ein bisschen doch die von mehreren Rednern zuvor ausdrücklich abgewiesene Personalfrage. Aber da gibt es ja im Herbst nochmal eine Wahl…

Fazit: Es war ein bewegender Abend - sowohl für die Gemeinde als auch für meine Lachmuskeln.


  1. 1 lenny

    Scheisse, da wär ich gerne dabeigewesen, war bestimmt ein lustiger Abend *lach*
    Dorfpatriotismus FTW.

    - lenny

  2. 2 T.

    Muss ja ein lustiger Abend gewesen sein… *g*

  3. 3 A.

    Ich finds irgendwie beängstigend, und irgendwie erinnert mich eure Gemeindeverwaltung an die DDR. Die nächsten Wochen werden als Lautenbächer Bürgerkrieg in die Lokalgeschichte eingehen!

  4. 4 PM

    Naja ich geb zu, das ganze ist etwas böse geschrieben (außer das mit der Büttenrede, die war wirklich lächerlich).
    Aber doch, ganz lustig war’s :)

  5. 5 -.-

    DDR triffts eigentlich ziemlich gut…
    Zu beneiden seid ihr nicht.

  6. 6 Nic

    Was wird jetzt eigentlich aus Hubacker? Hat das Schild “Wir wollen zu Oppenau” was gebracht?

  7. 7 lenny

    Ich warte noch auf die Straßenschlachten. Der Anarchopulli und die Sturmhaube sind frisch gewaschen und die Backsteine sind schon bestellt. Autos für gemütliche Grillatmosphäre werden vom Veranstalter gestellt.

    So far… wir sehn uns ;)

  8. 8 J.

    De OB kommt ja trotzdem sie wolle e Zelt aufstelle vorm Kreuz^^

  9. 9 Sepp

    bin ja da jetzt mal auf die weitere entwicklung gespannt….^^

    dennoch muss ich sagen: aus lokalpolitischer sicht her(falls man sich dafür wie ich interessiert und auch die internen infos aus obk hat) isch des alles sehr interessant

    und falls es doch zur black block action kommt in ltb, rufe ma schnell d’werner kimmig gmbh. dann könne mir oberkircher wenigstens noch geld mit der luddebächer action verdiene :D

    so long; sepp

  10. 10 lenny

    Naja eigentlich ist es ja nicht zum Lachen sondern zum WEINEN…
    Wenn sich die Leute mit dem gleichen Enthusiasmus in die globale Politik stürzen würden hätten wir viele Probleme garnicht.
    Aber nein wir begrenzen unseren Horizont lieber auf ein paar Hektar Dorf…

    Keine Angst ich will keine Diskussion anfangen, mir is grad nur so derbe langweilig das dieser Post das einzige ist womit ich mir momentan die Zeit vertreiben kann.

    Nur ein paar wirre Gedanken an einem leicht verregneten aber warmen Sommersonntag den ich, biertrinkend und auf pmsblog.de -postend, gemütlich vor meinem Rechner ausklingen lasse.
    Nach einem - für mich weniger “erfolgreich” - verlaufenem Wochenende.

    Einer jener Abende an dem man alleine Gedankenversunken ins Feuer starrt und versucht den Sinn zu finden, mit dem Wissen es nie zu tun, um sich dann irgendwann resignierend aber irgendwie doch befriedigt, müde von den vielen Gedanken die im Kopf kreisen, entspannt ins Bett zu legen…
    Nur um am nächsten Morgen wieder aufzuwachen und zu bemerken das der letzte Abend einer der wenigen “wachen” Momente in diesem Traum ist den wir “Leben” nennen.

    Die Gedanken wollte ich euch nicht vorenthalten, wissend das es die wenigsten verstehen werden.

    - lenny

  11. 11 PM

    Wow. Ich muss sagen, dass trifft den Nagel auf den Kopf.
    Auch wenn ich nicht weiß, warum du ausgerechnet jetzt diese paar Stunden “wach” warst.

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Kommentare

  • anon: Bin auf dieser Seite gelandet, als ich gerade nach Infos zur Hamburger...
  • Gebäudereinigung Hamburg: Toller Blog. Weiter so!
  • vivi: für die spontanen aussagen eine 1+ mit sternchen:D wie man nur so...
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